Bankhaus Friedländer und Sommerfeld.

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Bankhaus Friedländer und Sommerfeld.

Beitragvon -sd- » 30.11.2007, 19:59

Neueste Mittheilungen, 1891-11-10

Der Firma Hirschfeld und Wolff ist der schmähliche Bankerott des Bankhauses Friedländer und Sommerfeld gefolgt.
Zwei der Inhaber, die Gebrüder Sommerfeld, haben sich selber das Leben genommen. Die bekannt gewordenen
Einzelheiten sind ähnlich wie im Falle Wolff: Veruntreuungen von Depots, um an der Börse und in Gründungen zu spielen
und den Unterhalt für ein ausschweifendes Leben zu gewinnen. Die Blätter beschäftigen sich lebhaft mit der Erscheinung,
daß Privatbankiers die ihnen anvertrauten unverschlossenen Depots in ihrem Bestande angreifen, die Stücke verkaufen
und selbst gelegentlich verpfänden und also auch, wenn das Depot zurückgefordert wird, nicht dieselben Stücke,
sondern nur Stücke gleicher Art und gleichen Nominalbetrages ausliefern. Der Bankier spekulirt mit den Depots,
ohne dabei gerade die Absicht einer Schädigung seines Kunden zu haben. Das große Publikum glaubt vielfach,
daß ein solches Verfahren, weil mit dem Begriffe 'Depot' unvereinbar, die Kriterien der Unterschlagung enthalte.
Indessen hat, wie die Schles. Ztg. hervorhebt, das Reichsgericht vor länger als einem Jahrzehnt in einem damals
viel bemerkten Spruche erkannt, daß sich ein Bankier mit der beschriebenen Verwendung der ihm anvertrauten
Werthpapiere noch keiner Unterschlagung schuldig mache. Danach ist ein offenes Depot nichts anderes als eine Art
Darlehen, das sicherlich nicht so häufig hergegeben werden würde, wenn nicht das Publikum von der rechtlichen
Unangreifbarkeit der überantworteten Stücke überzeugt wäre.

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Quelle:
Amtspresse Preußens
Staatsbibliothek zu Berlin
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