Sommerfeld, jüdische Gemeinde Dornheim (Hessen).

Ereignisorte ehemals deutsche Bürger/innen jüdischen Glaubens namens SOMMERFELD(T).

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Sommerfeld, jüdische Gemeinde Dornheim (Hessen).

Beitragvon -sd- » 14.07.2010, 12:48

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Dornheim, heute zur hessischen Stadt Groß Gerau gehörig.

In Dornheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahr-
hunderts zurück. Erstmals wird eine jüdische Familie 1653 genannt. 1730 und 1794 gab es vier jüdische
Familien am Ort, 1814/15 acht Familien mit zusammen 27 Kindern. 1830 wurden 53 jüdische Einwohner
gezählt (5,7 Prozent von 932 Einwohnern), 1861 eine Höchstzahl von 85 (7.7 Prozent), 1905 77.

Im 19. Jahrhundert waren die bekannten jüdischen Familiennamen Bendorf, Dahlerbruch, Wieseck (die
letzten beiden Namen nach Flurbezeichnungen am Ort), Kiefer, Nassauer, Pappenheimer, Sommerfeld,
Silbermann, Strauß. Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt vom Handel mit Pferden
(Sommerfeld), Landesprodukten (Pappenheimer), Vieh und Textilwaren. Auch eine jüdische Metzgerei
gab es am Ort. Die Familien lebten seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in wirtschaftlich über-
wiegend guten Verhältnissen. Die jüdische Gemeinde gehörte zunächst dem orthodoxen Bezirksrabbinat
Darmstadt II, in den letzten Jahrzehnten dem Reformrabbinat Darmstadt I an. Die Toten der jüdischen
Gemeinde wurden in Groß Gerau beigesetzt.

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Anzeige in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 11. September 1890:
Wir suchen für unsere Gemeinde einen ledigen, israelitischen Lehrer, welcher Vorsänger und Schochet ist.
Diejenigen mit guten Zeugnissen wollen sich melden. Gehalt 600 Mark und freue Wohnung. Nebenverdienst
freilich. Der Vorstand: Abraham Sommerfeld in Dornheim.



Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 28. Juli 1902 zum Tod von Regine Sommerfeld geb. Wieseneck:

Dornheim, 23. Juli (1902). Gestern Nachmittag wurde Frau Regine Sommerfeld geb. Wieseneck, Ehefrau
des Dornheimer Bürgers Herrn Wolf Sommerfeld, zur letzten Ruhe geleitet. Dieselbe hat ein gottbegnadetes
Alter von über 80 Jahren erreicht; ihr Gatte, welcher schon das Alter von 90 Jahren überschritten, blickte auf
eine ungetrübte, glückliche, wenn auch kinderlose 62-jährige Ehe mit ihr zurück und er verliert in der Heim-
gegangenen ein Stück seines eigenen Selbst, so sehr waren beide in Harmonie und Liebe verbunden. Doch
auch ihren Mitmenschen, insbesondere ihren Glaubensgenossen in Dornheim, hat sie ihr mitteilsames und
teilnehmendes Gemüt zugewandt; jede hiesige Familie hat in der langen, langen Reihe von Jahren an ihr eine
treue Freundin in Freud und Leid besessen, die bis ins hohe Alter weder Zeit noch Mühe gescheut, sich nütz-
lich zu machen; bei Unglück und Not war ihr sogar keine Stunde der Nacht zu spät, Hilfe und Trost, sowohl
in pietätvoller, wie auch in pekuniärer Hinsicht zu leisten und sich so das Prädikat einer 'wackeren Frau' zu
erwerben.


Quelle: Alemannia Judaica - http://www.alemannia-judaica.de/dornhei ... nagoge.htm
Arbeitsgemeinschaft f. d. Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum.

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